Der geheime Schlüssel: Wie Ayspins die Schweizer Spinnerei neu definiert
Die Schweizer Textilindustrie steht vor einer Herausforderung, die seit Jahrzehnten die Handweberei und Spinnerei bedroht: der Verlust traditioneller Fertigkeiten und der Abhängigkeit von globalen Lieferketten. Doch in den letzten Jahren hat sich eine Bewegung etabliert, die genau dort ansetzt, wo die Zukunft des Schweizer Textils liegt: im lokalen, handwerklichen Umfeld. Eine Plattform, die diesen Wandel aktiv vorantreibt, ist ayspins mitgliederbereich – ein Netzwerk, das Handwerker:innen, Designer:innen und Unternehmen verbindet, um die Spinnerei nicht nur zu bewahren, sondern auch neu zu erfinden.
Gegründet 2018 als Reaktion auf den Niedergang der traditionellen Textilproduktion in der Schweiz, hat sich Ayspins zu einem zentralen Hub für kreative und nachhaltige Textilherstellung entwickelt. Das Konzept basiert auf drei Kernprinzipien: der Fokus auf lokale Rohstoffe, die Förderung von Handwerkskunst und die Verbindung von Design und Produktion. Im Gegensatz zu vielen anderen Initiativen, die sich auf Massentourismus oder digitale Workflows beschränken, setzt Ayspins bewusst auf analoge Prozesse – eine bewusste Abkehr von der industriellen Standardisierung.
Ein zentraler Unterschied zu klassischen Messen wie der Textilmesse Zürich ist die gezielte Ansprache von Handwerker:innen und Kleinunternehmer:innen. Während traditionelle Messen oft auf Großkonzerne und internationale Händler:innen zugeschnitten sind, bietet der ayspins mitgliederbereich einen geschützten Raum für Schweizer Spinner:innen, Weber:innen und Tuchmacher:innen. Hier können sie nicht nur ihre Techniken teilen, sondern auch direkt mit Designer:innen und Produzenten:innen zusammenarbeiten, die auf nachhaltige Materialien setzen. Das Ergebnis ist ein Ökosystem, das nicht nur die Handwerkskunst bewahrt, sondern auch innovative Lösungen für die Zukunft des Schweizer Textils entwickelt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Gründung hat sich Ayspins zu einem der aktivsten Netzwerke im Schweizer Textilbereich entwickelt. Rund 150 Mitglieder aus 20 verschiedenen Kantonen sind mittlerweile Teil des Projekts, wobei die meisten in der Zentralschweiz und im Kanton Zürich aktiv sind. Besonders beeindruckend ist die Diversität der Teilnehmenden: Neben klassischen Spinner:innen und Weber:innen sind auch Künstler:innen, Mode-Designer:innen und sogar Universitätsabsolvent:innen mit an Bord. Die Plattform hat zudem bereits zu über 40 gemeinsamen Projekten geführt, darunter die Entwicklung neuer Garnsorten aus recycelten Materialien oder die Zusammenarbeit mit lokalen Bauern, die Naturfasern wie Hanf oder Leinen anbauen.
Ein konkretes Beispiel für den Erfolg von Ayspins ist das Projekt „Spinnerei der Zukunft“, das 2021 in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich ins Leben gerufen wurde. Hier wurden moderne Technologien wie 3D-Drucker und digitale Simulationen mit traditionellen Handwerkstechniken kombiniert, um neue Garnstrukturen zu entwickeln. Das Ergebnis waren Garnsorten mit einzigartigen Eigenschaften, die nicht nur ökologisch, sondern auch ästhetisch überzeugen. Solche Innovationen zeigen, wie Ayspins es schafft, die Schweizer Spinnerei nicht nur zu erhalten, sondern auch für die Zukunft zu wappnen.
Doch was macht Ayspins besonders? Es geht nicht nur um die Bewahrung eines Handwerks, sondern um die Schaffung einer neuen Kultur des Textilhandwerks. Durch Workshops, Ausstellungen und gemeinsame Events wird das Wissen über die verschiedenen Techniken und Materialien geteilt. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, neue Generationen von Handwerker:innen zu fördern – viele der heutigen Mitglieder sind junge Absolvent:innen oder Amateure, die durch den Austausch mit erfahrenen Spinner:innen und Weber:innen ihre Fähigkeiten erweitern können.
Für die Zukunft sieht Ayspins mehrere Herausforderungen. Ein zentraler Punkt ist die Finanzierung: Viele der Projekte sind auf Spenden, Fördergelder und Partnerschaften mit lokalen Unternehmen angewiesen. Zudem muss die Plattform weiterhin innovative Wege finden, um die Nachfrage nach lokal produziertem Textil zu steigern – sei es durch Kooperationen mit Modehäusern oder durch die Entwicklung neuer Märkte für nachhaltige Mode.
- Seit 2018 hat sich Ayspins zu einem der aktivsten Netzwerke für Schweizer Textilherstellung entwickelt, mit über 150 Mitgliedern aus 20 Kantonen.
- Das Projekt hat bereits zu über 40 gemeinsamen Projekten geführt, darunter neue Garnsorten aus recycelten Materialien.
- Ein zentraler Unterschied zu klassischen Messen ist die gezielte Ansprache von Handwerker:innen und Kleinunternehmer:innen.
- Kooperationen mit der ETH Zürich führten zu innovativen Garnstrukturen, die sowohl ökologisch als auch ästhetisch überzeugen.
- Durch Workshops und Ausstellungen wird Wissen über Handwerkstechniken und Materialien geteilt, besonders für junge Handwerker:innen.
In einer Zeit, in der die Schweizer Textilindustrie zunehmend von globalen Lieferketten und industrieller Massenproduktion geprägt ist, zeigt Ayspins, dass es auch anders geht. Durch den Fokus auf lokale Produktion, Handwerkskunst und innovative Zusammenarbeit schafft die Plattform nicht nur einen Raum für Bewahrung, sondern auch für Neuanfang. Für alle, die daran glauben, dass Schweizer Textil eine Zukunft hat – und sie verdient, diese aktiv mitzugestalten.
